Hebden

Wo sind wir hier gelandet? Ja, wo sind wir hier gelandet? In Yorkshire – das hatten wir ja schon gesagt. Ansonsten wussten wir auch nicht viel von Hebden, außer, dass der Ort im Nationalpark Yorkshire Dales liegt und eher klein ist.

laburnum_cottageLetzteres ist tatsächlich so. Wir mögen es, Urlaub in kleinen Orten zu machen. Diesmal haben wir wohl den kleinstmöglichen Ort gefunden. In der Volkszählung von 2011 hatte Hebden 246 Einwohner. Viel kann sich nicht geändert haben. Der Ort besteht im Grund aus zwei größeren Straßen, die durch ein paar kleinere Straßen verbunden sind. Wobei der Ausdruck „größere Straßen“ schon ein wenig hochgegriffen ist. Man müsste schon einiges an Geduld mitbringen, wenn man auf diesen „großen“ Straßen überfahren werden wollte. Wenn man allerdings auf den kleineren Straßen steht, während ein Auto kommt (doch, das kann passieren), würde man unweigerlich unter das Auto geraten, wenn man sich nicht in einen nahen Hauseingang retten würde. Das Gute daran ist: Man muss sich nicht beeilen. Schneller als Schrittgeschwindigkeit fährt in diesen Lanes niemand.

In einer der kleinen Straßen wohnen wir. Laburnum Cottage ist für zwei Wochen unser Zuhause. Laburnum heißt Goldregen. Davon ist zwar keiner zu sehen, doch der Name ist hübsch. Und immerhin gibt es einen Blumenkasten. Dessen „Insassen“ sind allerdings relativ verkümmert. Vielleicht bekommen wir sie im Lauf der nächsten 14 Tage wieder hin. Neben der Tür steht eine Clematis leicht verloren in einem Topf. Unter Umständen würde es ihr besser gehen, wenn sie eingeplanzt würde.

Am Sonntag haben wir lang geschlafen, haben gelesen und spät gefrühstück. Noch später sind wir losgewandert. Wir hatten am Samstag einen Wegweiser mit dem Namen Linton Falls gesehen. Das hörte sich nett an, dahin würden wir gehen. Leider war der Wegweiser an der Mauer der einzige Hinweis darauf, dass dort ein Weg zu finden sein würde. Wir wanderten entschlossen los, erst bergab, dann bergan. Leider mussten wir feststellen, dass in der Mauer kein Loch war. Auch nach weiteren Metern kein Durchgang in Sicht.

Darum waren wir einsichtig und gingen zum Ausgangspunkt zurück. In Laburnum Cottage liegen nämlich Karten. Eine laminierte Karte der näheren Umgebung nahmen wir mit. Da wir nun schon mal in der unteren Straße, der Main Street, waren, gingen wir erst einmal am Old School Tea Room vorbei, wo einige Menschen Tee tranken und Kuchen aßen. In diesen Tea Room müssen wir unbedingt. Von außen sieht er sehr nett aus, doch was besonders faszinierend ist: Er ist an sieben Tagen die Woche geöffnet. Das ist äußerst ungewöhnlich in einem 246-Seelen-Dorf. Neben dem Tea Room gibt es sogar noch ein Hotel, das Clarendon. Auch diesem werden wir unsere Aufwartung machen. Es liegt an der „anderen“ Straße, der dritten, die durch den Ort verläuft. Oder besser gesagt: Am Ort vorbei. Es ist die B6265. Auf der fahren tatsächlich öfter mal Fahrzeuge.

Doch zurück zu unserer kleinen Wanderung. Neben dem Tea Room stand ein weiterer Wegweiser, diesmal mit dem Hinweis auf die Hebden Suspension Bridge. Der Weg sah gut aus (d.h. man konnte ihn als Weg erkennen), also folgten wir ihm. Denn die Hebden Suspension Bridge spannt sich über den Wharfe, den Fluss, nachdem das Tal benannt ist, in dem wir uns befinden. Und auch die Linton Falls liegen am Wharfe. Wenn wir dem Flusslauf folgen würden, würden wir früher oder später an den Linton Falls ankommen. Also schlugen wir diesem Weg ein und kamen tatsächlich nach kurzer Zeit an der Hängebrücke an.

Das untere Whardale ist ziemlich idyllisch. Der Fluss windet sich durch ein ziemlich enges Tal. Hier und da öffnet sich das Tal und man hat einen weiten Blick über die Landschaft. Besonders beeindruckend finden wir die Mauern. Dry Stone Walls heißen sie – Trockensteinmauern. Sie grenzen ein Feld vom nächsten ab und bestehen, wie es der Name schon sagt, nur aus Steinen, durch nichts verbunden. Sie ziehen sich durch die ganze Landschaft. Oft wachsen Bäume direkt an den Mauern. Während im Süden alles voller Hecken ist, wird der Norden von Mauern dominiert.

wharfedale

schafe.jpgAber nicht nur Mauern gibt es in Yorkshire, auch Schafe hat es im Überfluss. Während  wir unserem Weg am Fluss entlang folgten, mussten wir immer wieder durch Holztore gehen, die den Schafen den Durchgang verwehren. Oder eben über Mauern steigen. In diesem Fall sind Trittsteine angebracht. Hauptsache, die Schafe können nicht entkommen. Hier und da wird den Schafen anscheinen übel mitgespielt. Wie anders könnte man das Schild sonst interpretieren: „Schafe und Lämmer wurden in dieser Gegend von Hunden angegriffen. Haben Sie Ihren Hund unter Kontrolle – am besten an einer Leine“.

Auf dem Weg zur Suspension Bridge hatten wir einen Einheimischen getroffen, der mit Gartenarbeit beschäftigt war. Er hatte uns versichert, dass wir auf dem richtigen weg seien. Die Linton Falls seien bestimmt nett anzuschauen, auch wenn der Fluss momentan wenig Wasser führe. Wenn Hochwasser wäre, hätte man mehr davon. Selbst hätte er diese Wanderung noch nicht gemacht. Er wohne hier, da würde man nichts Touristisches in der Heimat unternehmen. Wir nahmen es hin.

Nach einer knappen Stunden erreichten wir die Linton Falls. Der nette Herr hatte recht. Der Fluss führte tatsächlich nicht so viel Wasser, dass da irgendetwas hätte stürzen können. Es sa trotzdem ziemlich pittoresk aus.

linton_falls1.jpg

Linton Falls

linton-falls2

Hier hätte das Wasser stürzen sollen. Hätte …

Von Linton Falls war es dann nicht mehr weit nach Grassington. Nach einem Stück Wanderung auf der Landstraße fanden wir auch wieder den Einstieg auf einen Wanderweg und spazierten über die Wiesen zurück nach Hebden.

andrew_triggs_hodge1Im Ort fiel mir ein Briefkasten auf. Statt rot bemalt zu sein, strahlte er golden. Ein Streich mit einem Briefkasten ihrer Majestät? Mitnichten. Eine Tafel an der Seite des Briefkastens brachte Erleuchtung. Der Kasten war von der Royal Mail gestrichen worden, um die von Andrew Triggs Hodge gewonnene Goldmedaille im Vierer ohne Steuermann zu feiern, die der oben genannte  in London errudert hatte. Triggs Hodge wurde zwar nicht in Hebden geboren, zog aber im zarten Alter von einem Jahr hierher. Er verbrachte seine Kindheit hier und scheint erst gegangen zu sein, als er die Schule beendet hatte. Kein Wunder, dass man in Hebden stolz auf ihn ist. Neben der Goldmedaille in London hatte er schon in Peking  mit dem Vierer Gold geholt – und in Rio mit dem Achter.

Und zum krönenden Abschluss folg ein Foto der Bremer Stadtmusikanten in der Yorkshire Version. Großartig, nicht wahr?

bremer_4stadtmusikanten_yorkshire_version.jpg

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s