Die Settle-Carlisle Line

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Fast sieht dieses Viadukt aus wie das Glenfinnan-Viadukt aus den Harry-Potter-Filmen. Mit einer Länge von 402 Metern ist es um rund 20 Meter länger als sein schottisches Pendant. Auch hat es mit Bögen drei Bögen mehr als das deutlich bekanntere schottische Viadukt. Beeindruckend steht es mitten in der Landschaft von Yorkshire. An den meisten Tagen ist es ruhig am Ribblehead. An anderen ist viel los im Tal: Dann nämlich, wenn auf der Strecke Dampfloks oder andere historische Züge fahren. Eisenbahn-Enthusiasten versammeln sich dann und schauen, filmen oder fotografieren, wie die Züge über das Viadukt fahren. Wenn sie nicht selbst im Zug sitzen.

Erfreulicherweise fahren nicht nur historische Züge auf dieser Strecke. Die Settle-Carlisle Railway wird auch von Zügen der Northern Line befahren. Das ist zwar vielleicht nicht ganz dasselbe, wie mit einer Dampflok durch Yorkshire zu fahren, hat aber auch seinen Reiz. Dabei stand die Linie, die 1876 eröffnet wurde, in den 1980er Jahren vor dem Aus. Sie sei nicht mehr rentable, ließ British Railways verlauten. Schon vor diesen Verlautbarungen hatte sich eine Gruppe formiert, die gegen die Schließung protestierte: Die Friends of the Settle Carlisle Line. Gemeinsam mit der kommunalen Verwaltung zogen die Eisenbahnfans in den Kampf gegen die Schließung der Bahnstrecke, die nicht irgendeine kleine Linie, sondern eine wichtige Verbindung zwischen den Midlands und Nordengland sei. Viele wichtige Aspekte würden nicht beachtet und British Railways würde mit der Höhe der Kosten für Reparaturen (vor allem für Viadukte und Tunnel) übertreiben. Man war empört über die geplante „heimliche Stilllegung“ und ging in die Offensive. Die Publicity, die die Strecke erhielt, machte es möglich, dass BR von der Stilllegung absah. Fuhren 193 nur noch 93.000 Gäste auf der Strecke, so hatte sich die Zahl  bis 1989 auf 450.000 erhöht. Da sieht man, was eine gute Publicity doch bringt.

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Der Verein der Friends of the Settle Carlisle Line hat so einiges geschafft. Im Jahr erbringen die Mitglieder 40.000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit. Das entspricht in etwa einem Gegenwert von 500.000 £ an Gehältern, wenn die Stunden hätten bezahlt werden müssen, wie man auf der Seite der Friends lesen kann. Zudem haben sie in den letzten sieben Jahren (Stand 2018) 300.000 £ in die Strecke investiert. Damit wurden acht Bahnhöfe wieder eröffnet, die außerdem alle Lampen im viktorianischen Stil erhielten, es wurden Bahnsteige angehoben und stillgelegte Stellwerke restauriert und gewartet. Viel Arbeit, doch es hat sich gelohnt. Die Bahnhöfe sehen wirklich aus, wie aus einem Bilderbuch.

Auch die Schalterhalle ist hochpoliert. Man fühlt sich in eine andere zeit versetzt, wenn man Tickets kauft. Auch wenn diese modern sind und man ohne Problem kontaktlos bezahlen kann. Sollte der Parkscheinautomat ausfallen, so wird einfach ein Blankoticket mit Tag und Zeit versehen. Die Mitarbeiter sind mit Freude an der Arbeit. Überall ist sichtbar, dass man sich auf historisch interessantem Boden befindet.

WartehäuschenIn Settle gibt es eine Wartehäuschen, das mit Informationstafeln zur Strecke gefüllt ist. Da wir fast 45 Minuten vor der Abfahrt da waren, hatten wir genügend Zeit, uns zu informieren. Man bekommt diverse Information, besonders viele aber zum schon genannten Ribblehead Viaduct, das ursprünglich Batty Moss Viaduct heißen sollte – nach dem offenen Land auf der Ostseite des Viaducts. Bei Eisenbahningenieuren heißt das Viadukt schlicht Brücke 66.

Doch nicht nur die Geschichte der Bahn ist spannend, auch die Stecke ist landschaftlich überaus reizvoll. Ein Ehrenamtlicher, vermutlich Mitglied der Friends, ist auf der Strekce dabei, verteilt Pläne und verkauft eine Broschüre der Friends – und gibt Erklärungen zur Strecke. Rund um Ribblehead Station wird viel erklärt. Schließlich nähern wir uns dem Viadukt. Wie schade, dass man es während der Fahrt nicht richtig sehen kann. Außerdem befinden wir uns in nächster Umgebung der Three Peaks, der Drei Berge, des Whernside (736 m), des Ingleborough (723 m) und des Pen-y-ghent (694) die zusammen die Three Peaks ausmachen. Von einem Berg redet man übrigens, wenn die Höhe von 600 Metern überschritten wird.

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Die Strecke von Settle bis Carlisle ist 117 Kilometer lang. Die Fahrt dauert etwa 90 und ist wunderbar. Berge, Wiesen, Schafe, Mauern. Graue Häuser, die einsam in der Landschaft stehen. Immer wieder unterbrechen Tunnel den Ausblick. Insgesamt gibt es 14. Dazu kommen 22 Viadukte. Die Strecke hat wirklich etwas zu bieten. Zwischendrin taucht eine nette Lady mit einem Verplegungswagen auf. Nichts, was es nicht gibt. Sandwiches, Obst, Kekse, Wein, Sekt  Bier – oder auch ganz simplen Tee. Ein mit dem Logo der Bahn bedrucker Becher wird gereicht. Den haben wir natürlich als Souvenir behalten.

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Und hier noch was fürs Herz: Am Bahnhof Garsdale findet sich die Bronzestatue eines Bordercollies. Der ehrenamtliche Mitarbeiter erzählte uns die Geschichte des Denkmals. Es zeigt den Hund Ruswarp, dessen Name auf Englisch „Russup“ und auf Deutsch in etwas „Rassap“ ausgedprochen würde. Auch der Hund habe die Liste zur Rettung der Bahnlinie „unterzeichnet“. Und sein Pfotenabdruck sei tatsächlich offiziell anerkannt worden. Doch dafür allein erhält niemand ein Denkmal. Auch nicht bei den hundebegeisterten Engländern. Ruswarp hat in seinem Leben mehr getan, als für die Settle-Carlisle-Line zu stimmen. Er war der Hund von Graham Nuttall, der sich sehr für die Bahnlinie einsetzte (von allein wäre Ruswarp vermutlich nicht auf die Idee gekommen, die Liste zu unterzeichnen). Nuttall war einer der Initiatoren derFriends of the Settle Carlisle Line  und auch ihr erste Geschäftsführer oder Vorsitzender (der englische Begriff lautet Secretary). Der 41-jährigen Nutall war ein leidenschaftlicher Wanderer. Im Januar 1990 (der Weiterbestand der Strecke war quasi gerade bestätigt), machte er sich mit Ruswarp auf zu einer Tagestour. Er hatte ein Rückfahrticket von Burnley in Lancashire (seinem Heimatort)  nach Llandrindod Wells (im County Powys) gelöst. Es dauerte elf lange Winterwochen, bis man ihn fand. Neben seiner Leiche saß der 14-jährige Ruswarp, bis auf die Knochen abgemagert. Der Hund musste weggetragen werden, denn um selbst zu gehen, fehlte ihm die Kraft. Bei der Beerdigung seines Herrchens war er noch anwesend, einige Tage später starb er. 2009, zum 20-jährigen Jubiläum des Weiterbestehens der Strecke, wurde ihm ein Denkmal gesetzt.

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Sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt waren abwechlsungsreich. Mit der Northern Line lässt es sich gut reisen, wir saßen bequem und hatten eine gute Zeit. Besonders Freude machten aber die Informationen des Ehrenamtlichen und auch der netten Lady mit dem Teewagen.

Was wir in Carlisle dann unternommen haben, davon wird an anderer Stelle erzählt werden.

York

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Unser gemächlicher Urlaub hatte ein wenig an Fahrt auf, als Jonathan da war, denn natürlich sollte er ein bisschen von der Gegend sehen. Statt also an einem der vielen Flüssen entlang zu wandern, beschlossen wir, nach York zu fahren. JYork ist nicht wirklich weit weg von den Yorkshire Dales, wir brauchten aber trotzdem fast 90 Minuten, bis wir dort waren, denn die Straßen sind zum Teil nur einspurig und haben Ausweichtplätze, damit man begegnende Wagen durch lassen kann.

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Das Wetter meinte es gut mit uns, den ganzen Tag schien die Sonne. Wir hatten uns nichts vorgenommen, d.h., wesstanden keine Besichtigungstouren auf dem Programm. Wir wollten uns durch die Stadt treiben lassen und einfach dort schauen, wo es schön war. Da wir in der Nähe von High Petergate geparkt hatten, konnte unser erstes Ziel nur das Münster sein. Die Innenstadt von York es zum Teil noch sehr mittelalterlich geprägt. Die alten Gassen scheinen alle zu Münster hinzu führen. Das sieht man auch sehr schön an dem 3-D Modell der Stadt, das vor dem Münster aufgebaut ist. Ins Münster selbst warfen wir nur einen sehr kurzen Blick. Leider war ein Großteil des Innenraums eingerüstet, so dass wir uns eine Besichtigung sparten.

Guy FawkesEiner der bekannten Söhne der Stadt York ist übrigens Guy Fawkes. Nie gehört? Jedes Kind in England kennt seinen Namen. 1570 wurde er in York geboren; mit 13 konvertierte er zum Katholizismus (sein Vater war inzwischen verstorben und seine Mutter heiratete in zweiter Ehe einen Katholiken). Fawkes wurde Soldat und kämpfte in den verschiedensten Kriegen auf dem europäischen Festland. Er wusste, wie man mit Sprengstoff umgeht. Anlässlich der Parlamentseröffnung am 5. November 1605 plante er mit weiteren Verschwörern, die anglikanischen König James und mit ihm das komplette Parlament in die Lust zu sprengen. Die Krone sollte wieder katholisch werden. Dazu mieteten sie ein Gewölbe unter dem Parlament an. Doch der Plan wurde verraten und man fand Guy Fawkes bei den Sprengstoffvorräten. Er wurde gefoltert und gestand. Am 31. Januar 1606 sollten er und seine Mitverschwörer gehängt und gevierteilt werden. Diesem Schicksal entging Fawkes, indem er mit umgehängter Schlinge vom Podest sprang und sich das Genick brach. Die Bevölkerung wurde ermutigt, den Tag des Gunpowder Plots mit Feuerwerk und Scheiterhaufen zu feiern. Diese Tradition lebt bis heute fort, ebenso wie der Reim:

Remember, remember
the Fifth of November
Gunpowder, treason and plot;
I see no reason
why gunpowder treason
Should ever be forgot.

(Erinnere dich, erinnere dich an den fünften November. Schwarzpulver, Verrat und Komplott. Ich sehe keinen Grund, warum die Schwarzpulver-Verschwörung jemals vergessen werden sollte.)

Wir ließen uns durch die Gassen treiben und hatten kein richtiges Ziel. Es gab aber auch viel zu sehen. Zum einen ist das Stadtbild wirklich pittoreskt. Es gibt so viel anzusehen. Zum anderen finden sich in den kleinen und größeren Straßen außergewöhnliche Läden und wir machten einen ausgiebigen Schaufensterbummel. Gin ist nicht nur in Deutschland das In-Getränk, auch hier in York finden sich Läden für Liebhaber des Getränks. Aber auch ungewöhnliche Hochzeitstorten und Schmuck war zu sehen (und zu kaufen). Doch wir blieben standhaft.

Bis dann Jonathans auf die Idee kam, dass wir doch „eigentlich“ mal in das National Railway Museum gehen könnten. Das würde doch sowieso in der Nähe liegen. Dem war tatsächlich so. Nach einigen Minuten hatten wir das Museum erreicht und Jonathan war glücklich. Das Herz eines jeden Eisenbahnenthusiasten schlägt in diesem Museum sicher höher. In einer Halle waren die königlichen Züge zu sehen. Hier standen die Waggons, in denen die Hoheiten zu reisen pflegten. Die ersten erinnerten tatsächlich noch sehr an Kutschen. Alle hatten gemeinsam, dass sie äußerst bequem gepolstert waren. So ließ es sich bestimmt gut reisen.

In der Great Hall, der großen Halle, gab es eine unfassbar große Sammlung an Lokomotiven zu sehen. Da standen da Flying Scotsman, der Mallard, Der japanische Shinkansen, der Eurostar und viele andere mehr. Ich wie gesagt: das Paradies für Eisenbahn Enthusiasten.

IMG_9120.jpgJulian wartete mit Lilly tapfer draußen. Lokomotiven sind nicht so sehr sein Ding.

IMG_9194.jpgAnschließend ging es wieder zurück in die Altstadt. Dabei überquerten wir den Fluss Ouse, der durch York fließt. Wir schauten den Ruderern ein wenig zu und hätten gern selbst mitgetan. Aber dann ging es schon wieder hinein in die Altstadt. Die Shambles wollten wir gerne sehen, jene Straße, in der die Häuser nach oben breiter werden, so dass sie sich fast berühren. Der Grund dafür liegt darin, dass die Steuer auf Wohnraum auf das Erdgeschoss berechnet wurde. So wurden die Stockwerke darüber überhängend gebaut: man hat mehr Platz und zahlte weniger Steuern. Die Shambles sind bei Touristen äußerst beliebt, darum gibt es dort auch viel Touristisches zu sehen bzw. zu erwerben. Nun gibt es tatsächlich Geschäfte, die besser passen als andere. Und was könnte besser zu der mittelalterlichen Gasse passen, als Läden für Zauberei? The Shop that must not be named oder The Boy Wizard sind nur zwei von einer handvoll, die man in den Shambles finden kann. Weil es so schön ist, gibt es dazu auch gleich ein paar Fotos.

Clifford's TowerUnser Weg führte uns durch die Stadt am Clifford’s Tower vorbei in Richtung Fluss. Der Turm war Burgfried von York Castle, das nur noch in fragmentarisch erhalten ist. Der Turm jedenfalls ragt prominent aus seiner Umgebung heraus. Er gehört zum English Heritage und kann besichtigt werden. Uns trieb es hinunter zum Fluss, wo bei diesem schönen Wetter einiges los war. Glücklicherweise konnten wir einen der letzten freien Tische ergattern und erst einmal Pause machen.

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Später ging es wieder zurück in die Altstadt, wo wir ein letztes Mal am Münster vorbeischauten. Dort findet sich auch ein Denkmal, das Konstantin den Großen zeigt. 306 wurde er nach dem Tod seines Vaters in York (das damals Eboracum) von seinen Soldaten zum Kaiser ausgerufen, was gleichzeitig auch das Ende der römischen Tratrachie bedeutete. Konstantin ging als einer der bedeutendsten Kaiser Roms in die Geschichte ein.

Für uns war es an der Zeit, wieder in Richtung Yorkshire Dales zu fahren. Zum Abschluss hier noch ein paar Fotos aus York.

 

 

 

Haworth

War das eine Überraschung für Julian, als Jonathan plötzlich am Auto stand. Frank und ich freuten uns, dass sie so gut gelungen war. Julian, der seien Bruder schon ziemlich vermisst hatte, war komplett überrumpelt und glücklich. Jonathan war in erster Linie müde, denn er war schon um 5.30 Uhr aufgestanden. Doch auf den gewundenen Straßen in Yorkshire kommt man kaum zum schlafen. Außerdem gibt es sowohl Schlaglöcher als auch kleine Erhebungen, so dass man seltenst ganz ruhig fährt. Schlafen war auch nicht angesagt, denn es ging nach Haworth, der Heimat der Brontës.

Ich oute mich hier gern als Fan der Schwestern. Schon sehr früh habe ich Wuthering Height (Die Sturmhöhe) gelesen und war fasziniert davon. Der Roman spielt in den Mooren von Yorkshire. Wer ihn noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt nachholen. Cathy und Heathcliff sind Figuren, die einen sehr in Bann ziehen können. Es geht um Liebe und Hass und Standesunterschiede und immer wieder spielt die Landschaft von Yorkshire eine wichtige Rolle. Emily Brontë schrieb den Roman im Alter von 28 Jahren. Es wurde parallel mit Agnes Grey, dem Buch ihrer jüngeren Anne, veröffentlicht. Und damit noch vor Jane Eyre. Charlotte Brontë schrieb diesen als Autobriografie angelegten Roman als ihr zweites Werk. The Professor (Der Professor), das Buch, das gleichzeitig mit den Werken ihrer Schwestern hätte veröffentlicht werden sollen, hatte der Verleger abgelehnt. Jane Eyre ist ein Buch, das man genauso verschlingt wie Wuthering Heights. Die Geschichte der Waise Jane , ihr Heranwachsen unter schwierigen Umständen, ihre Anstellung als Gouvernante auf Thornfield Hall und ihre Zeit bei den Rivers Geschwistern ist fesselnd. Und wem die Geschichte um die junge Frau, die sich nicht mit den engen Regeln abgeben will, die für Frauen, soziale Klassen oder Erziehung gelten sollen plus eine Liebesgeschichte mit echten Hindernissen, nicht reicht, dem kann ich auch nicht helfen.

Es ist erstaunlich, wie die Schwestern aus diesem kleinen Ort, ohne großartige Einflüsse von außen, solche Romane hervorbringen konnten. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht war es gut, dass diese Einflüsse fehlten, denn sonst hätten die Brontës vielleicht die viktorianischen Regeln als gegeben und unumstößlich angesehen. Möglicherweise ist es dieser Widerspruch, der jedes Jahr Unmengen an Besuchern nach Haworth zieht. Zweimal war ich bisher dort gewesen (einmal davon mit Frank) und jedesmal war es brechend voll gewesen. Diesmal hatten wir Glück! Die Hauptstraße war so leer, dass wir tatsächlich ein Foto machen konnten. IMG_9015.jpg

img_6493.jpgZuerst ging es allerdings in die Kirche, dem ehemaligen Arbeitsort von Patrick Brontë (inzwischen umgebaut und umgestaltet) und der letzten Ruhestätte der Familie. Abgesehen von Anne, die in Scarborough starb und auch dort beerdigt wurde. An einer Säule ist eine Inschrift angeracht, die auf den Ort der Grabstätte hinweist. Eine weitere Tafel ist in der Memorial Chapel zu sehen. Die Kapelle wurde der Kirche erst 1963 hinzugefügt. Selbst die Kirche war leer, sieht man von einer spanischen Schulgruppe ab, die ordentlich Temperament mitbrachte. Den Organisten brachte die Lehrerin immerhin dazu, in der Kirche Que sera, sera zu spielen.

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Haworth ist Brontë. Vieles wird mit dem Namen der Schwestern (den Bruder lasse ich frech unter den Tisch fallen) verkauft. Aber die Händler in haworth haben ja auch nur eine Straße in der sie verkaufen können und niemand bleibt länger als einen Tag. Da muss man nicht schon etwas einfallen lassen. Doch als wir da waren, sah alles ganz ansprechend aus. Es gibt inzwischen auch nach den Brontës benannte Wanderungen durchs Moor. Die Emily-Brontë-Wanderung ist mit 15 Meilen (24 km) der längste.

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Brontë Parsonage und Brontë Car Park. Geht alles.

In die Brontë Parsonage kamen wir, ohne anstehen zu müssen. Das Museum wird von der Brontë Society erhalten, eine der ältesten literarischen Gesellschaften im englischsprachigen Raum. Sie entstand 1893 nach einem Treffen, bei dem einge Gruppe von Menschen sich verabredete, das persönliche Besitztümer der Brontës, die nach dem Tod des Vaters 1861 verauktioniert worden waren, zurückzukaufen und zu sammeln. eine kleine Information am Rande: Nach der Veröffentlichung von Jane Eyre und dem Tod ihrer Schwestern, war Charlotte Brontë eine Berühmtheit geworden. Leute kamen, um sie anzusehen. Nach ihrem Tod wiederum wurde Patrick Brontë, der Vater, um Erinnerungsstücke gebeten. Er riss Briefe entzwei und gab Teile an diese ersten Brontë-Pilger. Auch riss er die Unterschriften seiner Töchter aus ihren Briefen, um sie an Brontë-aficionados zu geben.

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Brontë Parsonage Museum

Zum Besuch des Museums teilten wir uns wieder auf. Zwei gingen ins Museum, zwei warteten mit Lilly. Frank und Julian waren als erste an der Reihe, während Jonathan und ich mit Lilly aus dem Ort und über eine Schafswiese wanderten. Danach waren wir an der Reihe.

 

Virginia Woolf schrieb nach einem Besuch in Haworth „Haworth expresses the Brontës; the Brontës express Haworth; they fit like a snail to its shell“ (Haworth drückt die Brontës aus und die Brontës sind ein Ausdruck von Haworth; sie passen zueinander wie die Schnecke zu ihrem Haus). Ersten: Was gibt es dem hinzuzufügen? Zweitens: Ich würde noch einmal hinfahren!

PS
Für diesen Blog stehe ich jeden Morgen früh auf, statt im Bett zu lesen. In den nächsten Tagen werde ich nicht so fleißig sein, denn wir haben einiges vor, so lang Jonathan da ist. Und dazu müssen wir früh los.
Heute schlafen die Jungs noch einmal aus. 😉

 

Brimham Rocks

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Manche Bücher lohnen ihre Anschaffung ganz besonders. Dazu gehören immer die Rother Wanderführer. Meine ehemalige Chefin Helga hatte mich auf die Reihe aufmerksam gemacht. Bis dahin hatte ich immer angenommen, sie seien nur etwas für alpine Wanderer/Bergsteiger. Doch die Bücher sind wirklich gut, so dass wir sofort zugriffen, als wir feststellten, dass es eine Ausgabe für den Norden Englands gab. Die meisten der angegebenen Touren finden sich im Lake District, doch auch in unserer Gegend finden sich einige. Unter anderem gibt es eine Tour zu den bzw. rund um die Brimham Rocks im Nidderdale. Dass wir die Brimham Rocks sehen wollten, war uns von Anfang an klar gewesen. Zu bizarr sind diese Felsformationen, als dass man sie verpassen möchte. Darum fuhren wir nach einem (erneut späten) Frühstück los über Pately Bridge nach Low Laithe, wo wir gegenüber des Pubs Ye Olde Oak parkten. Leider stellten wir später am Tag fest, dass dieses Pub von Montag bis Mittwoch Ruhetag(e) hat. Schade, wir wären dort nach der Wanderung gern eingekehrt.

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Mithilfe des Wanderführers war es kein Problem, den Weg zu finden. Man war es ein Bridleway, also ein Reitpfad, mal ein Feldweg und ab und zu nur ein Trittpfad. Da das Buch alles gut erklärte, mussten wir uns nicht verlaufen. Mussten wir nicht, taten wir aber trotzdem. Zuerst ging es vom Ort aus bergan durch offenes Gelände. Dort mussten wir eine Fahrstraße überqueren, was gefährlich hätte enden können, denn Lilly versuchte, sich vor ein Auto zu werfen, was Julian heldenhaft verhindern konnte.

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Dann wurde es ganz märchenhaft. An einem Bachlauf entlang wanderten wir bergan. Abgesehen von uns vieren gab es nur das Plätschern des Bachs und des Zwitschern der Vögel. Birdsong heißt Gezwitscher auf englisch. Das hört sich doch gleich viel poetischer an, fand Julian. So gingen wir auf dem weichen Waldboden weiter, bis wir an einem Punkt den falschen Abzweig nahmen. Fast wären wir wieder bis zu einer Brücke gegangen, die wir schon vorher überquert hatten. Ein bisschen hatten wir uns auch gewundert, dass es dauernd bergab ging. Nun gut, der Fehler war gefunden und wir konnten unseren Weg nach einer kleinen Korrektur fortsetzen.

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Irgendwann kamen wir bei den Brimham Rocks an. Die Felsen sind faszinierend. Sie sind durch Erosion entstanden, durch Wind, Wasser und Eis. Bestehen tun sie aus Gritstone, einem grobkörnigen Sandstein. Ich bin keine Geologin und habe offen gesagt keine Ahnung, wie es kommt, dass die Felsen so aussehen, wie sie aussehen, aber sie sind einfach beeindruckend.

8866536720280627276_IMG_8889.jpgWas ich vergessen habe zu schreiben: Es regnete, leise, aber beständig. So, dass Brillenträgerinnen und -träger leicht behindert waren, aber nicht so sehr, dass es wirklich gestört hätte. Außer, ja außer beim Klettern. Das hätte Julian zu gern gemacht, aber gerade das erwies sich bei den glatten, nassen Steinen als sehr schwierig. Also blieb erst einmal nur das IMG_6422.jpgAnsehen. Das Gebiet um die Brimham Rocks gehört dem National Trust. Man muss keinen Eintritt zahlen, um die Felsformationen zu sehen. Wenn man allerdings nicht Mitglied ist und mit dem Wagen kommt, zahlt man Parkgebühren. Der NT freut sich sowohl über Mitgliedschaften, Eintrittsgelder oder auch Spenden. Even that cup of tea … also auch der Gewinn, den eine Tasse Tee abwirft. Bei dem Regen wollten wir uns gern ein wenig auswärmen. Leider gibt es keinen überdachten Tearoom. Man ist auf schönes Wetter eingestellt. Dafür gibt es aber einen kleinen Shop. Die freundlichen Mitarbeiterinnen wiesen uns darauf hin, dass sie im ersten Stock einen Raum eingerichtet hätte, in dem man sich gemütlich setzen und seinen Tee trinken konnte. Dieses Angebot nahmen wir gern an. Lilly streckte sich sofort aus und schlief ein. Wir wärmten uns am Tee und schauten über die Landschaft. Die Felsen haben alle fantasievolle Namen wie die Sphinx, der Wachhund, das Kamel, die Schildkröte oder der Tanzende Bär. Es gehört aber eine gehörige Portion Vorstellungskraft dazu, die Felsen anhand ihrer Namen zu erkennen. Vermutlich muss man zudem noch im richtigen Winkel stehen. Hier einmal eine Karte, die im Informationsraum zu sehen war.

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Nachdem die Becher geleert waren, hatte das Wetter ein Einsehen mit uns. Es hörte auf zu regnen und nun konnte tatsächlich ein bisschen geklettert werden. Und fotografiert, denn die Felsformen sind wirklich grandios.

Der zweite Teil des Weges verlief weitestgehend bergab und ist nicht wirklich der Rede wert. Immerhin gab es noch weitere Fotogelegenheiten. Mit der wunderbaren Landschaft Yorkshires im Rücken, sieht ein Vater-Sohn-Foto gleich noch besser aus. Wenn das überhaupt geht. 😉

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IMG_6438.jpgSchade war, dass – wie bereits erwähnt – Ye Olde Oak geschlossen war. Darum fuhren wir bis nach Hebden und besuchten das Clarendon. Rücksichtsvoll, wie wir sind, ließen wir Lilly im Auto. Dort ging sie in ihren Selbstreinigungsmodus, der mit dem Trocknen einhergeht. Einen nassen und unangenehm riechenden Hund wollten wir den anderen Pubgästen nicht zumuten. Was besonders schön ist an Pubs in Yorkshire: Hier bekommen wir unsere englischen Lieblingsbiere serviert. Den Old Peculier von Theakstons im Craven Arms und Black Sheep aus der Black Sheep Brewery im Clarendon. Beide Brauereien kommen aus Masham, einem Ort mit 1.200 Einwohnern. Chapeau!

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