Die Settle-Carlisle Line

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Fast sieht dieses Viadukt aus wie das Glenfinnan-Viadukt aus den Harry-Potter-Filmen. Mit einer Länge von 402 Metern ist es um rund 20 Meter länger als sein schottisches Pendant. Auch hat es mit Bögen drei Bögen mehr als das deutlich bekanntere schottische Viadukt. Beeindruckend steht es mitten in der Landschaft von Yorkshire. An den meisten Tagen ist es ruhig am Ribblehead. An anderen ist viel los im Tal: Dann nämlich, wenn auf der Strecke Dampfloks oder andere historische Züge fahren. Eisenbahn-Enthusiasten versammeln sich dann und schauen, filmen oder fotografieren, wie die Züge über das Viadukt fahren. Wenn sie nicht selbst im Zug sitzen.

Erfreulicherweise fahren nicht nur historische Züge auf dieser Strecke. Die Settle-Carlisle Railway wird auch von Zügen der Northern Line befahren. Das ist zwar vielleicht nicht ganz dasselbe, wie mit einer Dampflok durch Yorkshire zu fahren, hat aber auch seinen Reiz. Dabei stand die Linie, die 1876 eröffnet wurde, in den 1980er Jahren vor dem Aus. Sie sei nicht mehr rentable, ließ British Railways verlauten. Schon vor diesen Verlautbarungen hatte sich eine Gruppe formiert, die gegen die Schließung protestierte: Die Friends of the Settle Carlisle Line. Gemeinsam mit der kommunalen Verwaltung zogen die Eisenbahnfans in den Kampf gegen die Schließung der Bahnstrecke, die nicht irgendeine kleine Linie, sondern eine wichtige Verbindung zwischen den Midlands und Nordengland sei. Viele wichtige Aspekte würden nicht beachtet und British Railways würde mit der Höhe der Kosten für Reparaturen (vor allem für Viadukte und Tunnel) übertreiben. Man war empört über die geplante „heimliche Stilllegung“ und ging in die Offensive. Die Publicity, die die Strecke erhielt, machte es möglich, dass BR von der Stilllegung absah. Fuhren 193 nur noch 93.000 Gäste auf der Strecke, so hatte sich die Zahl  bis 1989 auf 450.000 erhöht. Da sieht man, was eine gute Publicity doch bringt.

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Der Verein der Friends of the Settle Carlisle Line hat so einiges geschafft. Im Jahr erbringen die Mitglieder 40.000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit. Das entspricht in etwa einem Gegenwert von 500.000 £ an Gehältern, wenn die Stunden hätten bezahlt werden müssen, wie man auf der Seite der Friends lesen kann. Zudem haben sie in den letzten sieben Jahren (Stand 2018) 300.000 £ in die Strecke investiert. Damit wurden acht Bahnhöfe wieder eröffnet, die außerdem alle Lampen im viktorianischen Stil erhielten, es wurden Bahnsteige angehoben und stillgelegte Stellwerke restauriert und gewartet. Viel Arbeit, doch es hat sich gelohnt. Die Bahnhöfe sehen wirklich aus, wie aus einem Bilderbuch.

Auch die Schalterhalle ist hochpoliert. Man fühlt sich in eine andere zeit versetzt, wenn man Tickets kauft. Auch wenn diese modern sind und man ohne Problem kontaktlos bezahlen kann. Sollte der Parkscheinautomat ausfallen, so wird einfach ein Blankoticket mit Tag und Zeit versehen. Die Mitarbeiter sind mit Freude an der Arbeit. Überall ist sichtbar, dass man sich auf historisch interessantem Boden befindet.

WartehäuschenIn Settle gibt es eine Wartehäuschen, das mit Informationstafeln zur Strecke gefüllt ist. Da wir fast 45 Minuten vor der Abfahrt da waren, hatten wir genügend Zeit, uns zu informieren. Man bekommt diverse Information, besonders viele aber zum schon genannten Ribblehead Viaduct, das ursprünglich Batty Moss Viaduct heißen sollte – nach dem offenen Land auf der Ostseite des Viaducts. Bei Eisenbahningenieuren heißt das Viadukt schlicht Brücke 66.

Doch nicht nur die Geschichte der Bahn ist spannend, auch die Stecke ist landschaftlich überaus reizvoll. Ein Ehrenamtlicher, vermutlich Mitglied der Friends, ist auf der Strekce dabei, verteilt Pläne und verkauft eine Broschüre der Friends – und gibt Erklärungen zur Strecke. Rund um Ribblehead Station wird viel erklärt. Schließlich nähern wir uns dem Viadukt. Wie schade, dass man es während der Fahrt nicht richtig sehen kann. Außerdem befinden wir uns in nächster Umgebung der Three Peaks, der Drei Berge, des Whernside (736 m), des Ingleborough (723 m) und des Pen-y-ghent (694) die zusammen die Three Peaks ausmachen. Von einem Berg redet man übrigens, wenn die Höhe von 600 Metern überschritten wird.

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Die Strecke von Settle bis Carlisle ist 117 Kilometer lang. Die Fahrt dauert etwa 90 und ist wunderbar. Berge, Wiesen, Schafe, Mauern. Graue Häuser, die einsam in der Landschaft stehen. Immer wieder unterbrechen Tunnel den Ausblick. Insgesamt gibt es 14. Dazu kommen 22 Viadukte. Die Strecke hat wirklich etwas zu bieten. Zwischendrin taucht eine nette Lady mit einem Verplegungswagen auf. Nichts, was es nicht gibt. Sandwiches, Obst, Kekse, Wein, Sekt  Bier – oder auch ganz simplen Tee. Ein mit dem Logo der Bahn bedrucker Becher wird gereicht. Den haben wir natürlich als Souvenir behalten.

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Und hier noch was fürs Herz: Am Bahnhof Garsdale findet sich die Bronzestatue eines Bordercollies. Der ehrenamtliche Mitarbeiter erzählte uns die Geschichte des Denkmals. Es zeigt den Hund Ruswarp, dessen Name auf Englisch „Russup“ und auf Deutsch in etwas „Rassap“ ausgedprochen würde. Auch der Hund habe die Liste zur Rettung der Bahnlinie „unterzeichnet“. Und sein Pfotenabdruck sei tatsächlich offiziell anerkannt worden. Doch dafür allein erhält niemand ein Denkmal. Auch nicht bei den hundebegeisterten Engländern. Ruswarp hat in seinem Leben mehr getan, als für die Settle-Carlisle-Line zu stimmen. Er war der Hund von Graham Nuttall, der sich sehr für die Bahnlinie einsetzte (von allein wäre Ruswarp vermutlich nicht auf die Idee gekommen, die Liste zu unterzeichnen). Nuttall war einer der Initiatoren derFriends of the Settle Carlisle Line  und auch ihr erste Geschäftsführer oder Vorsitzender (der englische Begriff lautet Secretary). Der 41-jährigen Nutall war ein leidenschaftlicher Wanderer. Im Januar 1990 (der Weiterbestand der Strecke war quasi gerade bestätigt), machte er sich mit Ruswarp auf zu einer Tagestour. Er hatte ein Rückfahrticket von Burnley in Lancashire (seinem Heimatort)  nach Llandrindod Wells (im County Powys) gelöst. Es dauerte elf lange Winterwochen, bis man ihn fand. Neben seiner Leiche saß der 14-jährige Ruswarp, bis auf die Knochen abgemagert. Der Hund musste weggetragen werden, denn um selbst zu gehen, fehlte ihm die Kraft. Bei der Beerdigung seines Herrchens war er noch anwesend, einige Tage später starb er. 2009, zum 20-jährigen Jubiläum des Weiterbestehens der Strecke, wurde ihm ein Denkmal gesetzt.

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Sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt waren abwechlsungsreich. Mit der Northern Line lässt es sich gut reisen, wir saßen bequem und hatten eine gute Zeit. Besonders Freude machten aber die Informationen des Ehrenamtlichen und auch der netten Lady mit dem Teewagen.

Was wir in Carlisle dann unternommen haben, davon wird an anderer Stelle erzählt werden.

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