Brimham Rocks

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Manche Bücher lohnen ihre Anschaffung ganz besonders. Dazu gehören immer die Rother Wanderführer. Meine ehemalige Chefin Helga hatte mich auf die Reihe aufmerksam gemacht. Bis dahin hatte ich immer angenommen, sie seien nur etwas für alpine Wanderer/Bergsteiger. Doch die Bücher sind wirklich gut, so dass wir sofort zugriffen, als wir feststellten, dass es eine Ausgabe für den Norden Englands gab. Die meisten der angegebenen Touren finden sich im Lake District, doch auch in unserer Gegend finden sich einige. Unter anderem gibt es eine Tour zu den bzw. rund um die Brimham Rocks im Nidderdale. Dass wir die Brimham Rocks sehen wollten, war uns von Anfang an klar gewesen. Zu bizarr sind diese Felsformationen, als dass man sie verpassen möchte. Darum fuhren wir nach einem (erneut späten) Frühstück los über Pately Bridge nach Low Laithe, wo wir gegenüber des Pubs Ye Olde Oak parkten. Leider stellten wir später am Tag fest, dass dieses Pub von Montag bis Mittwoch Ruhetag(e) hat. Schade, wir wären dort nach der Wanderung gern eingekehrt.

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Mithilfe des Wanderführers war es kein Problem, den Weg zu finden. Man war es ein Bridleway, also ein Reitpfad, mal ein Feldweg und ab und zu nur ein Trittpfad. Da das Buch alles gut erklärte, mussten wir uns nicht verlaufen. Mussten wir nicht, taten wir aber trotzdem. Zuerst ging es vom Ort aus bergan durch offenes Gelände. Dort mussten wir eine Fahrstraße überqueren, was gefährlich hätte enden können, denn Lilly versuchte, sich vor ein Auto zu werfen, was Julian heldenhaft verhindern konnte.

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Dann wurde es ganz märchenhaft. An einem Bachlauf entlang wanderten wir bergan. Abgesehen von uns vieren gab es nur das Plätschern des Bachs und des Zwitschern der Vögel. Birdsong heißt Gezwitscher auf englisch. Das hört sich doch gleich viel poetischer an, fand Julian. So gingen wir auf dem weichen Waldboden weiter, bis wir an einem Punkt den falschen Abzweig nahmen. Fast wären wir wieder bis zu einer Brücke gegangen, die wir schon vorher überquert hatten. Ein bisschen hatten wir uns auch gewundert, dass es dauernd bergab ging. Nun gut, der Fehler war gefunden und wir konnten unseren Weg nach einer kleinen Korrektur fortsetzen.

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Irgendwann kamen wir bei den Brimham Rocks an. Die Felsen sind faszinierend. Sie sind durch Erosion entstanden, durch Wind, Wasser und Eis. Bestehen tun sie aus Gritstone, einem grobkörnigen Sandstein. Ich bin keine Geologin und habe offen gesagt keine Ahnung, wie es kommt, dass die Felsen so aussehen, wie sie aussehen, aber sie sind einfach beeindruckend.

8866536720280627276_IMG_8889.jpgWas ich vergessen habe zu schreiben: Es regnete, leise, aber beständig. So, dass Brillenträgerinnen und -träger leicht behindert waren, aber nicht so sehr, dass es wirklich gestört hätte. Außer, ja außer beim Klettern. Das hätte Julian zu gern gemacht, aber gerade das erwies sich bei den glatten, nassen Steinen als sehr schwierig. Also blieb erst einmal nur das IMG_6422.jpgAnsehen. Das Gebiet um die Brimham Rocks gehört dem National Trust. Man muss keinen Eintritt zahlen, um die Felsformationen zu sehen. Wenn man allerdings nicht Mitglied ist und mit dem Wagen kommt, zahlt man Parkgebühren. Der NT freut sich sowohl über Mitgliedschaften, Eintrittsgelder oder auch Spenden. Even that cup of tea … also auch der Gewinn, den eine Tasse Tee abwirft. Bei dem Regen wollten wir uns gern ein wenig auswärmen. Leider gibt es keinen überdachten Tearoom. Man ist auf schönes Wetter eingestellt. Dafür gibt es aber einen kleinen Shop. Die freundlichen Mitarbeiterinnen wiesen uns darauf hin, dass sie im ersten Stock einen Raum eingerichtet hätte, in dem man sich gemütlich setzen und seinen Tee trinken konnte. Dieses Angebot nahmen wir gern an. Lilly streckte sich sofort aus und schlief ein. Wir wärmten uns am Tee und schauten über die Landschaft. Die Felsen haben alle fantasievolle Namen wie die Sphinx, der Wachhund, das Kamel, die Schildkröte oder der Tanzende Bär. Es gehört aber eine gehörige Portion Vorstellungskraft dazu, die Felsen anhand ihrer Namen zu erkennen. Vermutlich muss man zudem noch im richtigen Winkel stehen. Hier einmal eine Karte, die im Informationsraum zu sehen war.

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Nachdem die Becher geleert waren, hatte das Wetter ein Einsehen mit uns. Es hörte auf zu regnen und nun konnte tatsächlich ein bisschen geklettert werden. Und fotografiert, denn die Felsformen sind wirklich grandios.

Der zweite Teil des Weges verlief weitestgehend bergab und ist nicht wirklich der Rede wert. Immerhin gab es noch weitere Fotogelegenheiten. Mit der wunderbaren Landschaft Yorkshires im Rücken, sieht ein Vater-Sohn-Foto gleich noch besser aus. Wenn das überhaupt geht. 😉

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IMG_6438.jpgSchade war, dass – wie bereits erwähnt – Ye Olde Oak geschlossen war. Darum fuhren wir bis nach Hebden und besuchten das Clarendon. Rücksichtsvoll, wie wir sind, ließen wir Lilly im Auto. Dort ging sie in ihren Selbstreinigungsmodus, der mit dem Trocknen einhergeht. Einen nassen und unangenehm riechenden Hund wollten wir den anderen Pubgästen nicht zumuten. Was besonders schön ist an Pubs in Yorkshire: Hier bekommen wir unsere englischen Lieblingsbiere serviert. Den Old Peculier von Theakstons im Craven Arms und Black Sheep aus der Black Sheep Brewery im Clarendon. Beide Brauereien kommen aus Masham, einem Ort mit 1.200 Einwohnern. Chapeau!

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